»Autonomie macht glücklich« und »Wer nicht kopiert, ist tot«

corydoctorow

WUNDERBAR, dieser Cory Doctorow, laut Forbes Magazine einer der weltweit 25 einflussreichsten Personen im Internet.Der Science-Fiction-Autor, Aktivist, Jornalist und Blogger ist ein radikaler Verfechter des Flows, der in jeder Einschränkung der Internet-Freiheit eine Bedrohung unserer Gesellschaft und ihrer Zukunftschancen sieht. 

Was auch ich schon seit Jahren sage: Die Repressionen der Online-Freiheiten, die im Namen des Urheberrechts diskutiert oder bereits vollzogen werden, sind auch für Doctorow nicht dazu geeignet, Kultur zu regulieren, sondern dienen allein der Sicherung und dem Ausbau bestehender Machtverhältnisse.

Doctorow, der mit einer Lesung prominenter Gast auf der Trendtag-Party am 15. September 2010 in Hamburg sein wird, stellt konsequenterweise seine Bücher auf seiner Website www.craphound.com zum kostenlosen Download unter einer Creative Commons Lizenz zur Verfügung. Dennoch hat er z.B. von seinem Erfolgs-Buch »Little Brother« in den USA 90.000 Hardcover-Exemplare und die Filmrechte (an den »Transformers«-Produzenten) verkauft. Er wolle »nicht wie üblich sichergehen, dass jeder, der mein Buch liest, mir etwas zahlt, sondern dass jeder, der mir etwas zahlen will, mein Buch lesen kann.«

Den Kampf gegen unlizenzierte Online-Kopien von Film, Musik, Literatur und anderen Kulturprodukten hält Doctorow nicht nur für sinnlos, sondern auch für einen »Schaden für unsere Gesellschaft«. »Kopieren ist Leben«, betont der in Kanada geborene und in London lebende Autor in Hinblick auf die Zellteilung, »und wer nicht kopiert, ist tot«.

Nach Doctorows Meinung »leben wir im Goldenen Zeitalter des Kopierens«. Dies sei zwar schlecht für einige Unternehmen, aber gut für die Künstler und das Publikum. »Was eine rechtmäßige Kopie ist, hat mit Machtverhältnissen und Geld zu tun und wechselt ständig«, sagt der Autor. »Als die Beatles in den 50er Jahren begannen, die Blues-Rhythmen der Afroamerikaner zu verwenden, wurde dies als Fortschritt gesehen. Als die afroamerikanischen Hip-Hop-Musiker in den 80er Jahren Beatles-Songs verwenden wollten, nannte man das Diebstahl.« Dies zeige, dass das Urheberrecht »nicht dazu geeignet ist, unsere Kultur zu regulieren«.

Die im Namen des Urheberrechts geplanten Einschränkungen »können Künstler nicht wollen, weder als Künstler noch als Bürger.«



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