COMPUTER ZEITZEUGE!

Meine Computergeschichte ist jetzt 47 Jahre alt!

Mit dem Alter steigt der Erinnerungswert und altes Leben bekommt eine neue Bedeutung. So bemühe ich mich etwa seit vielen Jahren um einen nicht unbedeutenden Teil meiner Lebensgeschichte. Vor 47 Jahren (!) – Computer nannten sich noch elektronische Datenverarbeitungsanlagen – war ich bei einer der weltweit leistungsfähigsten Firmen für den Innenausbau von Räumen für elektronische Datenverarbeitungsanlagen beschäftigt. Die Sperr- und Fassholzfabrik Goldbach war der weltweit einzige Hersteller, der alle Bedarfe für die Innenausstattung von EDV-Räume abzudecken in der Lage war. Die spätere Firma Goldbach GmbH existiert nicht mehr; sie ist heute historischer Bestandteil der Fa. Goldbach Kirchner. Alte Informationsquellen sind versiegt, alle quellenfesten Zeitzeugen verstorben. Die computerrelevante Geschichte der Jahre 1969 bis 1970 fehlt in den »Geschichtsbüchern« und in Wikipedia. Zufällig und dank des Internets bin ich jetzt auf den Band 85 der Schweizerischen Bauzeitung von 1967 gestoßen, und alles was ich nur noch schemenhaft erinnern konnte ist wieder da. Vielen Dank ihr Schweizer!

Sperrholz Goldbach GmbH
Aschaffenburg – Goldbach

Ich war von 1969 bis 1970 bei der Sperr- und Faßholzfabrik Goldbach und dort in der Montageabteilung beschäftigt. Zu meinen Aufgaben gehörte die Überwachung der Terminplanung für Innenausbauprojekte, die Nachkalkulation von Montagezeiten, die Bearbeitung von Materialauszügen und die Lüftungsberechung von Lüftungs- und Akustikdecken. Als Vertretung des Montageleiters habe ich die Montagevorgaben für Subunternehmen und eigene Montagegruppen selbständig übernommen. Wir haben in dieser Zeit mit 15 Montagegruppen weltweit Computerräume mit Doppelboden-Anlagen, Schallschluck-Wandverkleidungen und Lüftungsdecken eingerichtet. Ein großer Kunde war u.a. Schmalbach-Lubeca, für den wir u.a. auch in Brasilien bauten. Eine sehr interessante Zeit also in einer Frühphase der industriellen Computernutzung.

Hans Schwab

 

… und hier meine schweizer Quelle >>>

 

Innenausbau von Räumen
für elektronische 
Datenverarbeitungsanlagen

Autor(en): [s.n.]
Objekttyp: Article
Zeitschrift: Schweizerische Bauzeitung
Band (Jahr): 85 (1967)
Heft 18
Persistenter Link: http://doi.org/10.5169/seals-69443
Ein Dienst der ETH-Bibliothek
ETH Zürich, Rämistrasse 101, 8092 Zürich, Schweiz, www.library.ethz.ch
http://www.e-periodica.ch
Innenausbau von Räumen für elektronische Datenverarbeitungsanlagen
DK 729.62:725.23

Die Neueinrichtung oder Umplanung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage (EDV-Anlage) erfordert die Planung und Durchführung einer ganzen Reihe teilweise komplizierter technischer Massnahmen, die die zuständigen Bau- oder Organisationsabteilungen stark belasten. Um auf dem Gebiet des Innenausbaus eine Vereinfachung der Planung und Koordinierung sämtlicher Arbeiten zu erreichen, bietet die deutsche Firma Sperrholz Goldbach GmbH in Goldbach über Aschaffenburg neben der bekannten Doppelboden-Anlage nunmehr ein komplettes Ausbauprogramm an, das den technischen Anforderungen in jeder Hinsicht gerecht wird.

Die wichtigsten Forderungen für das reibungslose Funktionieren einer EDV-Anlage sind eine einwandfreie Klimatisierung und Belüftung der Räume sowie der Maschinen. Weitere Forderungen sind: Unabhängigkeit von Boden und Deckenkonstruktion bei der Maschinenaufstellung, leichte Verlegungsmöglichkeiten für alle Maschinen und sonstigen Kabel sowie eine gute Schallabsorption innerhalb der Maschinenräume und eine Schallisolation gegenüber Büro- und Arbeitsräumen innerhalb und ausserhalb der Anlage. Das Innenausbauprogramm setzt sich aus folgenden Bauteilen zusammen:

1. Die Doppelboden-Anlage

Diese wird in drei Grundtypen hergestellt, von denen die Flachkonstruktion und die Flachbauweise hauptsächlich für flache Räume mit Bodenbelastungen bis 1000 kg/m2 eingesetzt werden, während für extrem hohe Belastungen bis 1750 kg/m2 die Standardkonstruktion zur Verfügung steht. In Bild 1 ist die Konstruktion des Doppelbodens sichtbar. Das wesentliche Kennzeichen ist die achtfache Verriegelung aller Platten, die eine fugenlose Passung ohne jeden Überstand garantieren. Der Zentralverschluss kann mit zwei Handgriffen geöffnet werden, so dass ein direkter Zugang zu den Kabeln mšglich ist. Damit die Kühlluft unter den Doppelboden geführt werden kann, ist dieser durch ein Gummiband abgedichtet. Dank der hohen Wärmedämmung der Spezialverbundplatten kann das Gefühl eines fusskalten Bodens nie aufkommen.

2. Lüftungs- und Akustikdecke

Verwendet wird eine Kassettendecke aus Aluminium im Rastermass 625 x 625 mm, mit voll verzinkter Unterkonstruktion und Schallschluck-Kissen aus Moltopren Platten, deren vorgestanzte Schlitze eine gleichmässige Verteilung der Zuluft über den ganzen Raum gestatten. Der besondere Vorteil dieser Decke ist die niedrige Konstruktionshöhe von nur 35 mm, siehe Bild 2. Trotzdem können sämtliche handelsüblichen Leuchten und Lüftungsgitter ohne zusätzliche Verstärkungen der Unterkonstruktion angebracht werden. Eine Weiterentwicklung der einfach abgehängten Lüftungs- und Akustikdecke nach Bild 3 ist die doppelt abgehängte Decke, bei der zwei luftdicht voneinander getrennte Schalen einen waagrecht unterteilten Zu- und Abluftraum bilden, Bild 4. Es ist damit die Möglichkeit geschaffen, an jeder Stelle der Decke die Maschinenabluft durch einen Schacht direkt an die obenliegende Rückluftzone anzuschliessen. Besonders bei grossen Rechenzentren, die öfters umgestellt und erweitert werden, bietet die Doppeldecke Vorteile, da dann sämtliche Umstellungen mit einfachen Mitteln, ohne grosse Umbauten, durchgeführt werden können. Allerdings sollte für eine doppelt abgehängte Lüftungs- und Akustikdecke eine Bauhöhe von mindestens 40 bis 60 cm zur Verfügung stehen.

3. Goldbach-System-Trennwände

Solche Bauteile werden sowohl als Montagewand wie auch als Elementwand ausgeführt. Die beiden Wandtypen bauen sich aus den gleichen Füllungen auf, wobei die Montagewand nach Bild 5 nur eine Demontage vom Wandanschluss her erlaubt, während bei der Elementwand (Bild 6) einzelne Wandelemente innerhalb der Wand ausgetauscht werden können. Darüber hinaus bietet die Elementwand den Vorteil, dass durch die zwischen den einzelnen Elementen angebrachte Installationsleiste eine nachträgliche Kabelverlegung und Montage von Steckern und Schaltern ohne weiteres möglich ist. Schalltechnisch bieten die System-Trennwände verschiedene Möglichkeiten: Eine einschalige Ausführung der Füllung bringt eine Dämmung des Schalldurchganges um etwa 26 bis 30 dB, während diese mit der zweischaligen Ausführung 35 bis 40 dB beträgt. Für besonders schallintensive Räume können die Füllungen der Trennwände schallabsorbierend ausgeführt werden, so dass auch innerhalb des Raumes der Schallpegel herabgesetzt wird. Grundsätzlich werden alle System-Trennwände mit fertiger Oberfläche geliefert. Verwendet wird eine PVC-Folie in Holzmusterung oder in Uni-Farben. Besonders wichtig ist für Rechenzentren, dass die für die Trennwände verwendeten Materialien auch bei Schallschluckausführung vollkommen abriebfest sind.

4. Schallschluck-Wandverkleidung

Im Gegensatz zu den bisher gebräuchlichen Akustik-Verkleidungen muss die Goldbach-Schallschluck-Anordnung nicht erst auf der Baustelle zusammengesetzt werden, sondern wird bereits im Werk vorgefertigt. Dadurch ist eine gleichbleibende, gute Schallschluckwirkung gewährleistet. Die Konstruktionsstärke der Akustik-Wandverkleidung beträgt einschliesslich der Befestigungsleisten nur 45 mm. Die Rückseite ist mit einer abriebfesten Gegenzugfolie kaschiert und als Innenseite für Luftkanäle usw. verwendbar. Mit diesem Programm ist es zum erstenmal möglich, dass sämtliche Innenausbauarbeiten von einer Firma koordiniert und ausgeführt werden, ohne dass der Bauherr die Verantwortung für die Abstimmung zwischen drei oder vier verschiedenen Firmen übernehmen muss. Ausserdem ist gewährleistet, dass eine einheitliche Linie im ganzen Rechenzentrum beibehalten wird, Bild 7. Als besondere Vorteile müssen die exakte Termineinhaltung und die Verkürzung der Einbauzeit erwähnt werden, da zwischen den einzelnen Montagen nicht wie bisher Sicherheitsabstände eingehalten werden müssen, sondern diese fugenlos ineinander übergehen.

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computerraeume1

Bild 1. Doppelboden-Anlage in einem Rechenzentrum J— 625
Bild 2. Schema der Deckenaufhängung
Bild 3. Schematische Darstellung einer einfach abgehängten Decke, 1 Klimaanlage, 2 Doppelboden, 3 Deckenschale, 4 festmontierte Rückluftkanäle
Schweizerische Bauzeitung • 85. Jahrgang Heft 18 • 4. Mai 19  (324)

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Bild 4. Schematische Darstellung einer doppelt abgehängten Decke.
1 Klimaanlage, 2 Doppelboden, 3 untere Deckenschale, 4 obere Deckenschale. Die Rückluftstutzen sind versetzbar
Bild 5 (oben). Schnitt durch eine Montagewand
Bild 6 (unten). Schnitt durch eine Elementwand
Bild 7. Ansicht eines mit den Goldbach-Elementen ausgebauten Raumes



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